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EINLEITUNG
For
the benefit of the archers I will describe the tackle used on this
hunt. All of us had yew bows. Our broadheads were made from saw
steel and were 5 long, everything entirely home made. I was
shooting the lightest bow with a pull of 84 pounds. Ken had his
old faithful of 103 pounds and Howard was shooting his 108 pound
buffalo bow.
Wild Boars and Bows, August 1936, Walt Wilhelm, im Ye Sylvan
Archer Magazine
Wie viele Menschen
meiner Generation war ich als Kind und in meiner Jugend begeisterter
Karl-May-Leser und Hollywood-Abenteuerfilm-Fernseher. Ich liebte
Berichte von Reisenden und Entdeckern. Mich faszinierte Errol Flynn
als Robin Hood. Tarzan Lex Barker oder Gordon Scott waren auch o.k.
Sie alle benutzten, neben ihrem Mut und ihrem Wissen um die beste
Weise, etwas Aufregendes zu unternehmen, Bogen und Pfeil. Ein freies,
abenteuerliches Leben im Sherwood Forrest oder im afrikanischen
Busch, wäre auch nach meinem Geschmack gewesen. Elegant und
mühelos gingen diese Burschen mit ihren Langbögen um und
lebten doch meist beschaulich dahin, zwischen aufregenden Erlebnissen.
Berufe wie Pirat in der Karibik, Trapper wie Lederstrumpf oder White
Hunter, wie Steward Granger auf Safari in Afrika, wären auch
noch vorstellbar gewesen. Fragmente dieser schönen aber unrealistischen
Vorstellungen konservierte ich, besitze ich noch immer. Oft zum
Leidwesen meiner Umwelt.

Anfang der 90er Jahre begann ich ernsthaft mit dem Bogenschießen.
Die Waffenhändler, die damals auch Bogen und Pfeile verkauften,
hatten hauptsächlich Bear-Produkte im Programm und in den Katalogen
war der wettergegerbte, schlanke Mann mit Recurve, Bogenköcher,
kariertem Hemd und Borsalinohut oft zu sehen.
Fred Bear benutzte, trotz der Tatsache, dass der Compound bereits
der allgemein übliche Jagdbogen war und er massenweise Compoundbögen
verkaufte, einen einfachen Recurvebogen. Das machte mich nachdenklich
und ich wechselte vom Jennings-Compound zu einem Bear Kodiak-Recurve.
Irgendwie begriff ich da ist noch ein anderes Bogenschießen,
ein ursprünglicheres, ein unlogischeres, ein selbstgerechteres,
ein erhaltenswertes.

Nachdem ich eine Übersetzung von Saxton Popes Hunting with
the Bow and Arrow gelesen hatte, wusste ich: Das ist der Weg.
Ich erfuhr daraus einiges über die Wurzeln unseres Sports.
Klarerweise musste nach Popes Buch ein Langbogen her. Ich legte
mir einen Ben Pearson Ol Ben zu und benutzte fortan
nur mehr Langbogen und Holzpfeile. Ich fertigte nach Popes Beschreibung
Köcher und Pfeile an.
Ich abonnierte den Traditional Bowhunter, der mir von meinem Freund
Karl Hofmeister empfohlen wurde. Daraus erfuhr ich viel über
amerikanische Schützen und über die Klassiker der Pfeil-
und Bogenliteratur.

Die Bücher von Howard Hill, Fred Bear, Robert Hardy, James
Duff, Paul Comstock, Bob Swinehart, Bill Negley, Jay Massey, Dan
Bertalan und vieler anderer Bogenautoren nahmen langsam ein ganzes
Bord in meinem Bücherregal ein. Mein dürftiges Schulenglisch
wurde, durch das Lesen der nur in Englisch erhältlichen Bücher
und Magazine, schnell besser. Anfangs kaufte ich einige Klassiker,
die als Nachdruck erhältlich waren. Beispielsweise Werke aus
der Legends of the Longbow-Serie von Glenn St. Charles. Bald wollte
ich aber die Originale besitzen. Nach und nach gab ich die Nachdrucke
nicht so versponnenen Freunden und ersetzte sie durch die oft sehr
teuren und vergriffenen, aber wundervollen Originale. Mit der allgemeinen
Verbreitung des Internets wurde die weltweite Suche in Antiquariaten
einfacher.
Oft überrascht mich, wie wenig und wie viel Falsches man über
die Bogenpioniere weiß. Nicht jeder kann oder möchte
sich eine große Auswahl an Büchern besorgen und lesen.
Ich wünschte mir immer ein Buch, in dem die Bogen-Legenden
ausführlich vorgestellt würden, mit Bildern, Geschichten,
Daten und auf deutsch für jeden Interessierten erschwinglich.
Nach Jahren eigentlich unbewusster Recherche und einem Telefonat
mit Didi Vorderegger begann ich, für das österreichische
Bogensport Journal Artikel über die alten Bogenschützen
zu schreiben. Das brachte die Idee, ein Buch zu versuchen.

Mir war klar, das Buch könne niemals umfassend oder auch nur
halbwegs vollständig werden. Zu viele Details, zu viele beherzte
Schützen der Vergangenheit und Gegenwart sind mir unbekannt
geblieben. Andererseits, aufgrund dieser Unkenntnis, gelang es mir
vielleicht, dieses Buch unterhaltsamer und übersichtlicher
zu gestalten als ein akribisch-umfassendes Nachschlagewerk es wäre.
Ich beschränkte mich, sicher ungerechterweise, auf die Bogenschützen
des Westens. Ihre Geschichten sind gut dokumentiert
und die meisten Informationen waren mit erträglichem Aufwand
zu erlangen. Klarerweise vermied ich Wissensgebiete, die mir nicht
so geläufig sind, wie beispielsweise das japanische Kyudo oder
das Bogenschießen der Indianer Nord-und Südamerikas,
sowie der asiatischen, afrikanischen und antiken Bogenschützen.
Die Rolle des Bogens als Waffe gegen Menschen zu beschreiben, lag
nicht in meinem Interesse. Kaum auf die vielen hervorragenden Turnier-
und FITA-Schützen einzugehen war sicher ungerecht, aber hier
fehlen mir zu viele Daten. Sie würden sich anhand von Tabellen
ermitteln lassen, doch wäre mir diese Recherche zu trocken,
um sie auf unterhaltsame Art zu würdigen und servieren zu können.
Es gibt erstklassige FITA-Jahrbücher, welche diese Leistungen
dokumentieren.
Wo möglich, führte ich meine Quellen an. Manchmal erschien
es mir sinnvoll, Texte im englischen Original zu belassen, um den
Lesern den Ausdruck der Sprache und des Geistes der jeweiligen Person
oder Zeit zu vermitteln.

Viele, wenn nicht alle der Bogenpioniere waren auch Jäger.
Die Jagd ist in den letzten Jahren für viele Menschen immer
mehr zum Reizthema geworden. Ich vermied, bis auf wenige Ausnahmen,
Jagdschilderungen und Aufzählungen von Trophäen. Einiges
von dem, was früher gemacht wurde, wäre, vom heutigen
Wissensstand aus beurteilt, sicher nicht vertretbar. Das gilt freilich
nicht nur für die Jagd.
Interessanterweise stößt sich kaum jemand an historischen
Berichten über Pfeil und Bogen als Kriegswaffe. Für das
Thema Krieg und Mord wird erstaunlich häufig Interesse aufgebracht.
Geht es um die Jagd, ereifern sich die Leute.
Ich sehe den Jäger auch als einen Menschen der sich einer ursprünglichen,
von der Natur vorgegebenen und praktizierten Lebensweise besinnt,
und die gebotenen Möglichkeiten wahrnimmt so zu leben. Er erlebt
die Jagd vielleicht auch als eine Art der Verweigerung unserer Konsumgesellschaft;
irgendwie hat er das Gefühl, sich auch ohne Kaufhaus und Fleischindustrie
ernähren zu können (Bogenjäger ausgenommen!).
Um richtig oder falsch geht es ihm nicht. Er hat ein paar Trophäen
aufgehängt, und wenn er sie ansieht denkt er sich:
Ah,
da war ich mit meinen Freunden da und da, und wir hatten eine gute
Zeit, ein Abenteuer, wir waren nass bis auf die Haut, die Hose blutig,
der Hund hat gut gearbeitet, danach haben wir etwas getrunken und
die frische Leber gegessen, die ich, der Jäger, zubereitet
habe und wir haben uns ob unserer Schießkünste gehänselt
wie es schon vor 100.000 Jahren war
.

Jene die jagen möchten sollten es tun, wer es nicht mag soll
es lassen. Die Entwicklung des heutigen Traditionellen Bogenschießens,
war allerdings mit der der Jagd eng verbunden. Die Bogenjagd ist
sicher eine der fairsten Arten zu jagen, jeder der es versucht hat
kann das bestätigen.
Beeindruckend für mich sind der Geist, der Mut und die Unternehmungslust
der Oldtimer. Ich denke, man muss diese Geschichten einfach als
eine Art moderner Heldensagen sehen.
In diesem Büchlein soll es um passionierte Schützen gehen,
ihre Ausrüstung, ihre Werke, ihr Leben.
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